Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte FOVOG Logo
> Startseite > Fellows und Stipendiaten > Humboldt-Stipendiaten
Deutsch | English

Humboldt-Stipendiaten an der FOVOG

Kriston Rennie (University of Queensland):



Januar 2016 bis Dezember 2016
Freedom and Protection in Medieval Monasteries.

This project defines the special relationship between Rome and exempt French monasteries in the Middle Ages. It examines the origins, nature, and development of monastic privileges, which ultimately contributed to shaping the ecclesiastical and political structure of pre-modern Europe. Focusing on individual French monasteries and their struggles to secure papal protection, this study questions the socio-political and legal reasons impelling such relationships and the consequences for all involved. It argues that the processes for attaining monastic autonomy strengthen our understanding of local spiritual-secular politics, helping also to explain an emerging and independent image of papal authority.

Emilia Jamroziak (University of Leeds):



September 2015 bis August 2016
The Cult of the "Founding Fathers" in Late Medieval Monastic and Mendicant Orders.

Das Projekt konzentriert sich auf die Entwicklung des Kults der "Gründerväter" bei den Zisterziensern, Karmelitern und Dominikanern in Texten und Bildern des späteren Mittelalters. Dieser Kult war ein wichtiger Teil der Identität und Legitimität dieser klösterlichen und Bettelmönch- Orden. Manche dieser Gründungsväter, wie etwa Bernhard von Clairvaux und Dominic, waren historische Persönlichkeiten, der biblische Prophet Elia hingegen ein mythischer Gründer der Karmeliter. Die Überlieferung dieser Gründungsväter unterlag im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert einem komplexen transformationsprozess und die Aussagen über ihre Herkunft, Identität und Kontinuität wurden verändert.

Es gibt zwar eine umfangreiche Forschung zu den verschiedenen Aspekten der "tatsächlichen" Leben von Bernard und Dominic. Ihre Rolle als "Ikone" der jeweiligen Orden hat aber sehr viel weniger Aufmerksamkeit erhalten. Es wurde kein Versuch unternommen, dieses Phänomen im Vergleich zu untersuchen. Diese drei Orden wurden ausgewählt, weil sie einen jeweils anderen Zweig der monastischen Tradition, nämlich den zönobitischen, eremitischen und den der Bettelorden verkörpern, und damit einen Vergleich ermöglichen.

Das Konzept der "Gründungsvater" war wirkmächtig. Er verknüpfte das individuelle menschliche Leben mit dem des Ordens und ihrer Geschichte. Es verband verschiedene Genealogien - personelle und institutionelle. Es konnte die Orden auch steuern. Das Erbe der Gründerväter konnte und mußte immer wieder neu interpretiert werden, um Legitimität und Kontinuität der Orden zu gewährleisten. Das Projekt befasst sich mit zentralen Fragen der Rolle der religiösen Orden als gesamteuropäische Struktur in der spätmittelalterlichen Gesellschaft, mit ihrem Wandel und ihrer Anpassungsfähigkeit an die sich ändernden sozialen und kulturellen Bedingungen ihrer Zeit.

Steven Vanderputten (Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreisträger der Alexander von Humboldt-Stiftung):



Imagining Richard of Saint-Vanne. Religious Leadership and the Conversion of the World in the Early Eleventh Century.

Following up on my previous book, entitled: Monastic Reform as Process. Realities and Representations of Monastic Development in Medieval Flanders. (to be published by Cornell University Press in 2013), this new study addresses questions relating to the self-understanding of monastic reformers in the West, focusing on the figure of Richard of Saint-Vanne (d.1046). While Richard of Saint-Vanne is broadly considered to have been instrumental in the creation of supra-institutional networks of monasteries and in the promotion of a particular, ‘Lotharingian’ form of monastic discipline and institutional management, my reading of the primary evidence shows that these notions do not refer to early-eleventh-century realities. Rather, they refer to biographic and hagiographic treatments of Richard’s life, all of which belong to a literary tradition that began at the very end of the eleventh century and have continued to dominate attitudes towards this figure until the near present. The discourses found in these texts refer to a wide range of interests and discussions, including the promotion of the cult of Richard as saint, the Investiture debate, the Cluniac model of monastic organization, the formation of European nation states, and so on. The objective of my project, in addition to transforming the way in which Richard’s contribution to monastic development is evaluated, is to put common notions regarding leadership, reform, and lay conversion to the test. Just as important is my ambition to demonstrate how reformist leaders of that period projected images of themselves that were open to multiple interpretations, and how trying to capture Richard’s significance and self-conception in a single, unambiguous account is not only impossible, but perhaps also irrelevant.

Florent Cygler (Université de Nantes)



September 2011 bis August 2012

Ab dem 12. Jahrhundert fächerte sich im christlichen Abendland in zunehmendem Maße die "vita religiosa" bzw. "vita regularis" in nun nach cisterziensischem Vorbild religiöse Orden auf, d.h. als Rechtsubjekte konzipierte, sich von anderen bewußt abgrenzende und transpersonal geleitete Klosterverbände. Die betroffenen Religiosen rekurrierten dabei auf einen neuen Typ von normsetzenden Rechtstexten: die (Ordens-)Statuten. Diese traten neben Regeln und evtl. vorhandenen "consuetudines"-Aufzeichnungen immer mehr in den Vordergrund und wurden dauerhaft zum Hauptträger ihres jeweiligen, sich stets wandelnden "ius particulare". Es handelte sich um eigene, generell-hypothetisch sowie prospektiv formulierte, zumeist gemeinschaftlich approbierte und in Kraft gesetzte Rechtssatzungen, die jederzeit abgeändert werden konnten, bzw. im erweiterten Sinne um offizielle, als Rechtsbücher angelegte Sammlungen. Das Forschungsvorhaben möchte sich dieser besonderen, für die mittelalterliche "vita religiosa" absolut zentralen, aber bislang wenig erforschten Quellengattung widmen. In kompakter, synthetischer und forschungspraktischer monographischer Form sowie gestützt auf möglichst vielen Beispielen aus den vier Hauptzweigen der abendländischen mittelalterlichen vita regularis ("vita monastica", "vita canonica", Bettelorden und geistlichen Ritterorden) soll die angestrebte Präsentation das Augenmerk insbesondere auf folgende Punkte richten: Definition des Genres, Textformen und -entwicklung, Inhalte, historische Bedeutung. Zudem soll ein umfassender bibliographischer Apparat erstellt werden, der sowohl die sehr verstreuten Studien zum Eigenrecht der religiösen Orden als auch die zahlreich vorhandenen Editionswerke gebündelt und kommentiert auflistet. Anmerkungen zur handschriftlichen überlieferung sollen ebenfalls in die Arbeit integriert werden.

Pavel Blažek (Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik - Prag)



März 2010 bis März 2011

"Die Polygamiefrage im lateinischen Mittelalter"

Erörterungen über die Polygamie weisen in der Geschichte abendländischen Denkens eine lange Tradition auf. Diese beginnt in der Antike mit Platon und reicht bis zu den Diskussionen über die Mehrehen der Mormonen im 19. Jahrhundert. Eine wichtige Etappe in der Geschichte der Polygamiefrage stellt das lateinische Mittelalter dar. Die hiesigen Diskurse über die Polygamie haben ihren Ursprung im 12. Jahrhunderts und wurden über das gesamte Spätmittelalter, insbesondere von Angehörigen der neuen Bettelorden geführt. Wir begegnen ihnen sowohl in der Theologie, als auch in der Philosophie und in der Kanonistik. Den Hintergrund des damaligen Interesses an diesem Thema bildeten vor allem das Problem der Polygamie im Alten Testament (Abraham, Jakob, David, Salomon etc.) sowie die Begegnung mit der Polygamie im Koran und im Islam. Beide Probleme stellten eine Herausforderung dar, die dringend einer Erklärung bedurfte, sollten dadurch nicht die christliche Einehe und die strikt monogame Sexualethik in Frage gestellt werden.

Während die Geschichte des antiken und neuzeitlichen Polygamiediskurses bereits gut erforscht ist, stellen die Polygamiediskussionen des Mittelalters ein von der bisherigen Forschung nahezu völlig ignoriertes Forschungsfeld dar. Dieses Desiderat möchte das Projekt beheben. Ziel ist eine umfassende, interdisziplinär angelegte Untersuchung und Auswertung der Polygamiefrage im mittelalterlichen Denken und deren kultur-, geistes- und sozialgeschichtliche Kontextualisierung. Es soll zum einen der Versuch unternommen werden, den Verlauf der mittelalterlichen Polygamiediskussionen in Theologie, Philosophie und Kirchenrecht möglichst umfassend zu rekonstruieren und diese in die allgemeine Ideengeschichte der Polygamie zwischen Antike und Neuzeit einzuordnen. Zum anderen soll die mittelalterliche Polygamiediskussion quasi als Exempel breiterer kultur-, geistes- und sozialgeschichtlicher Entwicklungen des späteren Mittelalters analysiert und in diese eingebettet werden.

Das Projekt wird an der FOVOG von Dr. Pavel Blažek im Rahmen eines Alexander von Humboldt-Forschungsstipendiums durchgeführt. Dr. Blažek hat Geschichte und Mediävistik an den Universitäten London (University College London), Pisa (Scuola Normale Superiore) und Louvain-la-Neuve studiert und im Jahr 2004 an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Fach Mittelalterliche Geschichte promoviert. Seine gegenwärtige ausländische Heimatinstitution ist die Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik in Prag. Dr. Blažek verbringt an der FOVOG das zweite Förderjahr seines zweijährigen Humboldt-Stipendienaufenthaltes in Deutschland, nachdem er das erste an der Ludwig-Maximilians-Universität in München verbracht hat.

Guido Cariboni (Università Cattolica del Sacro Cuore - Milano)



September 2008 bis August 2009

„Mit meinem Forschungsprojekt möchte ich Wechselwirkungen, Verknüpfungen und Dynamiken zwischen internen institutionellen Mechanismen der mittelalterlichen Klöster und Orden einerseits und der Appellation bzw. dem Appellationsverbot an die römische Kirche andererseits in zwei geographisch und kulturell unterschiedlichen, dennoch eng miteinander verbundenen Räumen, dem Regnum italicum und dem Regnum teutonicum während des 12. und 13. Jahrhunderts untersuchen. Mit diesem Thema eng verknüpft ist die Problematik von Gehorsamspraxis und Machtausübung innerhalb der durch institutionelle Beziehungen konstituierten monastischen Netzwerke.
Diese Phänomene stellen einen sehr geeigneten Ausgangpunkt dar, um die Beziehungen einerseits zwischen die römische Kirche und den Spitzen der einzelnen religiösen Orden und andererseits den einzelnen peripheren Regionen zu untersuchen. Es handelt sich dabei um ein Beziehungsgeflecht zwischen der Gesamtkirche, den Diözesankirchen und den religiösen Orden, welches - beeinflusst von den lokalen sozialen und politischen Wirklichkeiten - immer stabilere institutionelle Strukturen herausgebildet hatte.
Um diesen Phänomenbestand analytisch greifbar zu machen, ist das Forschungsprojekt in zwei Ebenen gegliedert: zum einen die normative Ebene sowohl in Bezug auf die innere Struktur der Orden als auch in Bezug auf das kanonische Recht und zum anderen die Ebene der lokalen Entwicklungen, also den Aufgliederungen und Reformbewegungen der Klöster und Orden im Gebiet des Deutschen Reiches und Oberitaliens. Diese beiden Ebene stehen dabei zueinander nicht in Gegensatz. Es handelt sich auch nicht um einen Dualismus oder eine Antinomie, sondern um eine Struktur der Wechselwirkungen. Ausgehend von einzelnen Episoden und beispielhaften Ereignissen, besonders in den deutschen Raum, kann überprüft werden, auf welche Schwierigkeiten die Anwendung der Norm in einer bestimmten Region traf, welche sowohl von ordensinternen, als auch ordensexternen Eigendynamiken bestimmt war.“

Cristina Andenna (Università degli studi della Basilicata - Potenza)



Wiederaufnahme des Stipendiums vom 1. Juli bis 30. September 2007 an der FOVOG

"Die Kardinalprotektoren. Mittlerfiguren zwischen Curia Romana und religiösen Orden im 13. Jahrhundert"

„Der Kardinalprotektor fungierte als fundamentale „Mittlerfigur“, als päpstliches Kommunikationsmedium, um die zentralistischen Tendenzen des Papsttums während der unmittelbaren Zeit nach dem IV. Lateranum auch im Bereich der novae religiones durchzusetzen. Es handelte sich um ein neues Amt, das von Kardinal Ugolino, dem späteren Gregor IX., erfunden wurde, um die Rolle des Papstes als wichtigstem Repräsentanten der einzelnen „neuentstandenen“ Formen der vita religiosa zu garantieren und zu ermöglichen. Bezüglich des Amtes und der Funktionen der Kardinalprotektoren jedes einzelnen Ordens bedarf es noch einer vollständigen Studie über die rechtliche Stellung dieser Figuren und deren Bedeutung als engere Mitarbeiter des Papstes im 13. und 14. Jahrhundert. Das Forschungsprojekt stellt sich die Aufgabe, eine erste Rekognition über die Rolle und die rechtliche Stellung der Kardinalprotektoren zu untersuchen.“ Resümee des thematisch verwandten Vortrages auf dem 7. Internationalen Kolloquium des CERCOR (2009)

Direktor:
Prof. Dr. Dr. h.c. Gert Melville

Wiss. Geschäftsführerin / Koordinatorin: Priv.-Doz. Dr. Cristina Andenna

FOVOG
Technische Universität
D - 01062 Dresden
Email: fovog-dresden(at)tu-dresden.de

Telefon: +49 (0) 351 4793 4180
Fax: +49 (0) 351 4793 4189

Die FOVOG ist eine zentral eingebundene Einrichtung der Technischen Universität Dresden
Neuerscheinungen

Klöster als Innovationslabore Bd. 4
Mirko Breitenstein
Vier Arten des Gewissens

Vita Regularis Bd. 70
Stefanie Monika Neidhardt
Autonomie im Gehorsam

Vita Regularis - Editionen Bd. 6
Jörg Sonntag (Hg.)
Sermones in Regulam s. Benedicti-->
Webmaster | Impressum